Film Noir

 

Der Begriff ist doppeldeutig: Film noir bezeichnet ursprünglich einen Stil des amerikanischen Kinos der vierziger und fünfziger Jahre, wird aber auch als ein Subgenre des Kriminalfilms ("Schwarze Serie") verstanden. Die Filme heben sich durch ihre Hell-Dunkel-Struktur sowie durch die verdichtete Erzählweise von anderen Filmen ab und sind zwischen 1940 und Mitte der fünfziger Jahre entstanden.

Die Bezeichnung Film Noir (französisch für “Schwarzer Film”) wird auf unterschiedliche Weise verwendet: einerseits gilt der Film Noir als ein eigenes Filmgenre, andererseits als eine Stilrichtung des Films. Der Begriff tauchte 1946 das erste Mal auf, als der französische Filmkritiker Nino Frank in einem Artikel damit amerikanische Filme der vierziger Jahre beschrieb. Dieses waren in der Regel Verfilmungen der Kriminal- und Detektivromane (“hardboiled detective novels”) von Dashiell Hammett, Cornell Woolrich oder Raymond Chandler (Die Spur des Falken), die den Helden in den Mittelpunkt der Filme stellen. In Deutschland hieß der Film noir bis in die achtziger Jahre “Schwarze Serie” und war nur Kennern ein Begriff. Heute ist der Film noir einem großen Publikum ein Begriff – gestritten wird allerdings immer noch über seine genaue Definition: handelt es sich um ein Genre oder um eine Stilrichtung des Films?

Der Film Noir als ein Genre

Der Film Noir ist ein Genre, das bis heute existiert und in viele Richtungen und Genres offen ist. In beinahe jeder Sparte der US-amerikanischen Filmproduktionen gibt es mittlerweile einen Vertreter des Film noir und dieser Trend scheint anzuhalten.

Er gilt als amerikanisches “Genre”, das eigentlich keins ist, sondern verschiedene Genres sich unterwirft. 1

Diese Genres reichen vom Krimi und seinen Subgenres Gangsterfilm, Detektivfilm, über Thriller und Melodram bis zum Western. Die Wurzeln des Film Noir liegen im deutschen expressionistischen Stummfilm, französischen Poetischer Realismus und in den amerikanischen Kriminalromanen der dreißiger und vierziger Jahre. Das Genre in sich ist amerikanisch aber es waren nicht seine Erfinder die ihm seinen Name gaben, sondern die Franzosen. Auch ein Großteil der Regisseure des Genres waren keine Amerikaner, sondern Europäer, die vor der NS-Herrschaft in Deutschland und Österreich flohen.

Der Film Noir als eine Stilrichtung

Der Film noir ist eine abgeschlossene Stilrichtung der vierziger und fünfziger Jahre. Der Film Noir wird hierbei zum Genre des Kriminalfilms gezählt. Dabei handelt es sich allerdings um ein zeitlich begrenztes Phänomen der vierziger und fünfziger Jahre in den USA. Die so genannte “Schwarze Serie” bezeichnet eine besondere Art Kriminalfilme, die durch die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre und die Kriegserfahrungen der Amerikaner beeinflusst wurden. Genre- und Stilmäßig geht der Film Noir auf den Gangsterfilm und den Poetischer Realismus zurück. Allerdings hat auch die deutsche Filmtradition der Stummfilme ihren Beitrag geleistet. Als erster Kriminalfilm des Film Noir wird John Hustons Detektivfilm Die Spur des Falken (1941) betrachtet. Er begründete den Film Noir indem er eine besondere Optik des Films schuf: die düstere, dichte Atmosphäre der Filme entstand vor allem durch die Kameraführung (schattenreiche Bilder, etc.). Weitere Charakteristika sind der (oft zynische) Antiheld, die Femme Fatale und eine komplizierte Story. Außerdem spielen die Filme in der Regel in der Großstadt. Weitere bekannte Filme sind Die Lady von Shanghai (1947) von Orson Welles, Goldenes Gift (1947) von Jacques Tourneur und Heißes Eisen (1953) von Fritz Lang. Ein weiterer Klassiker dieser Zeit ist Billy Wilders Frau ohne Gewissen (1944).

Charkteristika des Film noir

Der Film noir zeichnet sich inhaltlich durch verschiedene Elemente aus: Zunächst spielen die Filme in der Regel nachts, Dunkelheit und Schatten spielen eine große Rolle, daher auch “Noir” bzw. “schwarz”. Allerdings ist nicht nur das Dekor, sondern auch die Figuren schwarz bzw.düster. Der Held ist im Film noir ein Antiheld:

Detektive und Kriminelle, zu Unrecht verfolgte Unschuldige und scheinbar anständige Bürger, selbstbewusste Schönheiten und skrupellose Verbrecherinnen – weil all diese Nachtgeschöpfe “dunkel” sind, wel sie sich nur im Dunkeln ausleben können und das Licht scheuen wie die Vampire die Sonne. 2

Die (Anti-) Helden können in diesem Genre männlich oder weiblich sein; gemein ist ihnen die Unbefangenheit ihr Leben für Affairen oder Verbrechen von einem Tag auf den anderen ändern zu können. Die Motive sind unterschiedlicher Natur und reichen von Lebenslust und Ehrgeiz über Hass und Eifersucht bis zur Verzweiflung.

Der Schauplatz ist weiterhin in einer amerikanischen Großstadt und in der Regel am Rande der Gesellschaft mit all ihren Verfallserscheinungen angesiedelt. Das Dekor schwankt zwischen Realismus und Mythos, der beträchtlich zur Entwicklung der Helden beiträgt.

Das Hauptelement des Film noir jedoch ist das Verbrechen, das sich auf Handlung und Emotionen der Helden auswirkt. Letzter muss dabei nicht der Täter, sondern kann auch Opfer oder Untersuchender sein. In der Regel ist er jedoch ein Einzelgänger, der weder auf kriminelle Gruppe, noch auf Familie, Freunde oder Partner zurückgreifen kann. Im Gegensatz zum Helden des Gangsterfilm geht es ihm nicht mal um Aufstieg, da er keine Kontrolle mehr über sein chaotisches Leben und sein Schicksal hat. Der Film noir unterscheidet sich also von den klassischen amerikanischen Filmen und Genres durch die Desorientiertheit des Helden und die Abkehr vom “American Dream”. Generell sind die Grenzen nicht so klar wie in anderen Genres: die Unterscheidung in Gut und Böse ist schwierig, da die Charaktere widersprüchlich sind.

Was dem Film noir aber eine einmalige Sonderstellung in der amerikanischen Filmgeschichte verschafft, sind seine stilistischen und narrativen Eigenheiten: sein kontrastreicher Hell-Dinkel-Stil und seine komplexe Erzählweise. 3

Die Erzählweise wird geprägt von Elementen wie Rückblenden, Kommentaren aus dem Off und eine Kameraführung, die viel mit Licht und Schatten spielt.

Das Publikum des Film noir

In den vierziger und fünfziger Jahren gab es beim Publikum eine große Nachfrage nach Filmen dieser Art, da sie die Angst- und Lustphantasien bedienten. Später wurden die jeweils aktuellen Themen aufgegriffen und in die Filme integriert.

Wie die Figuren auf der Leinwand scheitert der Zuschauer in seinen Bemühungen, Sinn und Ordnung in das Chaos zu bringen, und setzt sich für anderthalb Stunden einem Durcheinander seiner Sinne und Werte aus, das schrecklich und schön ist wie ein Trip auf einer Achterbahn. 4

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen im Internet

Quellen

  • Hickethier. Filmgenres. Kriminalfilm. Stuttgart: Reclam, 2005. S. 8f.
  • Faulstich. Filmgeschichte. Paderborn: Wilhelm Fink. S. 120f.
  • Werner. Film noir und Neo-Noir. München: Vertigo Verlag, 2000

1 Werner. Film noir und Neo-Noir. München: Vertigo Verlag, 2000. S. 9

2 Werner. Film noir und Neo-Noir. München: Vertigo Verlag, 2000. S. 9

3 Werner. Film noir und Neo-Noir. München: Vertigo Verlag, 2000. S. 18

4 Werner. Film noir und Neo-Noir. München: Vertigo Verlag, 2000. S. 15

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