Der Begriff Nouvelle Vague, der ab 1960 weltweit verwendet wurde, bezeichnet eine Filmschule, die alle Filmkünstler derselben Richtung vereint. Dabei ist besonders das Kino der späten 50er bis zu den 70ern einiger namhafter Regisseure wie Jean-Luc Godard, François Truffaut oder Jacques Rivette gemeint.

Entstehung der “Nouvelle Vague”

Es ist die Journalistin Françoise Giroud, die am 3.10.1957 zum ersten Mal den Terminus der Nouvelle Vague (Neue Welle) benutzt, um das Phänomen des Generationenkonflikts der damaligen Jugend zu beschreiben: In den 60er Jahre ging ein linksgerichteter Ruck durch Frankreich, man wendete sich gegen die autoritäre Regierung und das Patriarchat. Man wollte Filme machen, die die Menschen zum Nachdenken zwingen und zur Reflektion über die Zustände in der kapitalistischen Gesellschaft. Viele Filme der Nouvelle Vague behandeln daher auch die Beziehung Mensch-Mensch und Mensch-Welt in einer kapitalistischen Gesellschaft. Der Ausdruck “Nouvelle Vague” wird aus diesem Grund recht schnell nicht mehr auf die Jugend, sondern auf deren Filme zugeschrieben, die im Jahre 1959 in Cannes mit großem Erfolg aufgeführt wurden: so beispielsweise Sie küssten und sie schlugen ihn von François Truffaut und Hiroshima, mon amour von Alain Resnais.

„Der Film von morgen wird ein Akt der Liebe sein”, so Truffaut in den Cahier du Cinéma 1957. Damit regte der engagierte Filmkritiker und spätere Regisseur an, die Beziehungen Regisseur-Schauspieler-Publikum neu aufzurollen. Fortan sollte das französische Kino nicht mehr als Nachahmer der amerikanischen Hollywoodkinos gelten, sondern eigene Maßstäbe setzen.

Indem man für die damalige Zeit ungewohnt polemisch-polarisierende Artikel schrieb und veröffentlichte, bemühte man sich eine intellektuelle Zuschauerschaft für sich gewinnen. Bald wurden aus den Kritikern der Cahiers du Cinéma Regisseure und die Nouvelle Vague war somit begründet. Nach dem Sieg von Truffauts Debutfilm Sie küssten und sie schlugen ihn war es Jean-Luc Godard mit Außer Atem, der mit an der Bewegung zimmerte.

Die Gemeinsamkeiten der Nouvelle Vague-Regisseure

Jean-Luc Godard und François Truffaut, Claude Chabrol und Jacques Rivette hatten in den fünfziger Jahren zwei Dinge gemeinsam: Sie schrieben Artikel für die „Cahiers du Cinéma” und waren allesamt der Meinung, dass sich etwas grundlegend am französischen Kino (“cinéma de qualité”) ändern muss. Sie prangerten die französischen Filmemacher an, die sich nur nach dem Profit orientierten und das amerikanische Kino kopierten. Dadurch entstünden realitätsferne, unzeitgenössische Massenprodukte ohne Tiefe und Persönlichkeit.

Außerdem waren sie nicht mehr bereit den traditionellen, langen Weg vom Assistenten zum Regisseur zu gehen. Stattdessen wollten sie bereits früh ihre eigenen Filme drehen und beriefen sich bezüglich der Qualifizierung auf ihre “Cinéphilie”: alle hatten seit ihrer Kindheit zahlreiche Filme in der 1936 von Henri Langlois gegründeten “Cinémathèque francaise” gesehen und auf diese Weise ihr Handwerk gelernt. Es wird aus diesem Grund oft von den “Kindern der Cinémathèque” gesprochen, da es sich bei den Regisseuren um die erste Generation Filmemachern handelte, die (allein aus technischen Gründen) ein derartig großes Filmwissen vorweisen konnte.

Eine letzte Gemeinsamkeit bestand in dem Stil der Nouvelle Vague.

Der Stil der Nouvelle Vague

Ästhetisch versuchte man, durch die sogenannte “Autorentheorie” den Regisseur aus seiner Abhängigkeit vom Studio zu lösen. Aus dieser Haltung heraus entstand eine komplett neue Beschaffenheitsidee des Kinofilms. Der Regisseur sollte nun an sämtlichen Schritten des Filmemachens maßgeblich beteiligt sein. Auch der Inhalt sollte persönlicher und authentischer gestaltet werden. Einzelne Filme sollten aus dem Gesamtwerk des Regisseurs heraus verstanden werden.

Stilistisch sind das Drehen mit Handkameras, lange, holprige Kamerafahrten sowie das Einsetzen von Amateurschauspielern und viel Improvisation wichtig. Außerdem wurde der Ton zum ersten Mal nachsynchronisiert und der Dreh von den Studion in die Staßen verlegt.

Wichtige andere Vertreter sind: François Truffaut, Jean-Luc Godard, Jacques Rivette, Claude Chabrol Éric Rohmer, Pierre Kast, Jacques Doniol-Valcroze oder Robert Bresson.

Die Genres der Nouvelle Vague

Hinsichtlich der Genre gab es keine bestimmte Festlegung. Die Regisseure orientierten sich vielmehr an den Werken ihrer großen Vorbilder und schufen Autorenfilme. Nichtsdestotrotz waren einige Genres bevorzugt: der Thriller (Fahrstuhl zum Schafott, 1958), der Gangsterfilm (Außer Atem), der Science Fiction (Fahrenheit 451, Ich liebe dich, ich liebe dich oder Jean-Luc Godard ‘Alphaville’). Truffaut selbst setzte in seinen Sie küssten und sie schlugen ihn-Fortsetzungen bis Ende der 60er (Geraubte Küsse) und Anfang der 70er (Tisch und Bett) formal und stilistisch fort, dabei die Leichtigkeit bewahrend. Godard verfing sich im Ästhetizismus politischen Chiffren.

Ähnlich war es auch bei den Gattungen: Éric Rohmer kam beispielsweise vom Kurzfilm und Dokumentarfilm, was sich auch in seinen Filmen Hiroshima, mon amour und Letztes Jahr in Marienbad zeigte.

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