Piratenfilm

 
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Der Piratenfilm gehört zu den Abenteuerfilmen. Er zeichnet sich demnach durch eine ereignisreiche Handlung aus, allerdings ist der Held hier oft ein Pirat und somit nicht der traditionell "gute" Held. Inhaltlich geht es in der Regel um Schätze, Schiffskämpfe und Raubzüge, die an einem exotischen Ort zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert angesiedelt sind.

Der Piratenfilm existiert wie der Abenteuerfilm schon sehr lange. Bereits in der Stummfilmzeit wurde mit Der schwarze Pirat (1926) von Albert Parker der erste erfolgreiche Film des Genres gedreht. Einige der Filme beziehen sich auf literarische oder gar auf historische Stoffe.

Die Handlung selbst ist meist zwischen dem Beginn des sechzehnten und dem Ende des achtzehnten Jahrhundert angesiedelt. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist neben der Historie auch der exotische Ort der Handlung, der sich zumeist in der Karibik, manchmal im Mittelmeer, aber grundsätzlich auf hoher See oder fernen Inseln befindet. Dabei entsprechen die dargestellten Handlungen nur zum Teil den historischen Gegebenheiten. Immer wieder auftretende Elemente sind Schiffskämpfe und Schatzinseln. Die Filme beziehen sich auf das goldene Zeitalter der “Piraterie”, d.h. den Raubzügen zur See, deren Höhepunkt in den Jahrhunderten nach der Entdeckung Amerikas (1492) erreicht wurde. Die europäischen Staaten versuchten zu dieser Zeit die Handelswege der “Neuen Welt” zu kontrollieren. Vor allem England und Frankreich bedienten sich zu diesem Zwecke der Piraterie. Konkret bedeutete das die Plünderung von feindlichen Handelsschiffen. Es bestand allerdings auch in den Jahrhunderten zuvor eine Piraterie im Mittelmeerraum (sowie in der Nord- und Ostsee).

Der Held des Piratenfilms

Die Hauptcharaktere des Genres sind neben den Piraten auch die Bukaniere (Karibik-Piraten des 17. Jahrhunderts) und die Korsaren (Piraten vor der Küste Nord-Afrikas). Der Held ist entweder ein Piraten-Gegner oder aber selber ein Pirat. In diesem Falle des Anti-Helden bekommt der Pirat die Sympathie der Zuschauer. Die Helden selber tragen zwar zumeist die realen Namen ihrer historischen Vorbilder, dem Film selber geht es allerdings mehr um die Wunschträume der Zuschauer und weniger um die realen Begebenheiten:

“Beispielhaft für das Genre als Ganzes bietet sich der Held hier als Projektionsfläche für die Wunschträume seines Publikums an. Die Phantasiebildung funktioniert dabei umso besser, je klarer sich die Filmhandlung historisch und geographisch vom Alltag außerhalb des Kinosaals absetzt.” 1

Der Held zeichnet sich zudem durch seine Freiheit aus: sie ist beinahe unbegrenzt, da der Pirat sich keinem Land und keiner Ordnung zugehörig fühlt. Er bestimmt zumeist die Handlungen und Handlungsorte und muß für seinen Verdienst zudem nur selten richtig arbeiten. Die negative Seite dieses Daseins ist ein exzessives, selten durchschnittliches Leben, das von Verlust und Tod bedroht wird. Es handelt sich zudem um einen sehr körperlichen Helden, dessen physische Stärke von der des Säbels unterstützt wird. Der Pirat ist seinen Gegenern dank seiner Kraft (bestes Beispiel: The Black Pirate (1926) und The Crimson Pirate (1952)) und dank seines Charmes (Ausstrahlung, Erotik) überlegen.

Genretypisch sind zwei Gegenpole: der Pirat und sein Rivale (Staatsvertreter oder ein anderer Pirat). Diese beiden Figuren sind durch eine Feindschaft verbunden und kämpfen nicht selten um dieselbe Frau. Der einfache plot wird durch immer wieder neu auftretene Probleme erschwert: zumeist betrifft es das Verhältnis zwischen Held und Heldin, die einer höheren Gesellschaftsschicht entstammt als der Pirat. Am Ende des Films gibt es in der Regel ein Happy-End. Dieses bedeutet oft, dass der Pirat für die Frau in das geregelte Leben zurückkehrt. Das Genre ist somit nicht an sich subversiv, sondern eher konservativ: der Pirat setzt sich bewusst über bürgerliche Regeln hinweg, um am Schluss in der Regel doch wieder in die geordnete Welt zurück zu kehren. Es gibt auch einige wenige Piratenfilme mit weiblichen Helden: Anne of the Indies und Cutthroat Island.

Erfolg des Genres

Die Blütezeit des Piratenfilms wurde von den zwanziger bis zu den fünfziger Jahren erreicht. Die bekannten Filme dieser Zeit sind Unter Piratenflagge (1935), Der Herr der sieben Meere (1940), aber auch Unter schwarzer Flagge (1945), Der rote Korsar (1952) und König der Freibeuter (1958). Bei den Zuschauern erfreuten sich die Piratenfilme aufgrund ihrer Abenteuerlichkeit und ihrer Exotik großer Beliebtheit. Damals stellten bestimmte Schauspieler die guten (Errol Flynn, Tyrone Power, Burt Lancaster) und die bösen Piraten (Charles Laughton, Robert Newton) dar.

In den fünfziger Jahren stellte sich jedoch zunehmend das Fernsehen als Konkurrenz zum Kino heraus und die Hollywoodstudios drehten immer weniger der teuren und aufwändig inszenierten Piratenfilme. In den darauffolgenden Jahrzehnten gab es einerseits europäische Produktionen (die TV-Serie Pippi Langstrump (1969)), andererseits nahmen sich namhafte Regisseure des Genres an: James Goldstones Der scharlachrote Pirat (1976), Piraten von Roman Polanski (1986) und Steven Spielbergs Hook (1991). Auch diese Filme verhalfen dem Genre nicht zu neuem Ansehen.

Im Jahr 2003 erfuhr das Genre mit Fluch der Karibik von Gore Verbinski ein Comeback, der zweite Teil (Fluch der Karibik 2) folgte 2006 und ein dritter soll 2007 (Fluch der Karibik 3) erscheinen. Das Revival wird einerseits mit der Referenz auf den Klassiker Der rote Korsar, andererseits mit dem Beifügen neuer übernatürlicher Elemente (Zombiespuk) erklärt. Überschneidungen gibt es vor allem mit dem Science Fiction: The Ice Pirates (1984) und Space Pirates (1987), welche die historische Figur des Piraten durch einen modernen Helden ersetzen.

Weitere Informationen im Internet

Quellen

  • Traber/Wulff (Hrsg.). Filmgenres. Abenteuerfilm. Stuttgart: Reclam, 2004

1 Traber/Wulff. Filmgenres. Abenteurfilm. Stuttgart: Reclam, 2004. S. 67

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