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Leitthemen

 

Leitthemen

Lili befindet sich mit ihren 14 Jahren mitten in der Pubertät. Diese Phase ist für sie gekennzeichnet durch einen großen Widerspruch zwischen ihrem Begehren und ihrem Körper, der schlechten Beziehung zu ihren Eltern, der Langeweile und der inneren Unausgewogenheit. Im Werks von Catherine Breillat nehmen die Themenfelder Pubertät und Familie einen großen Stellenwert ein. Auch in ihrem Debüt Une vraie jeune fille (1976) und A ma soeur (2000) wird der Aspekt der Jungfräulichkeit behandelt.

Die Pubertät

Aufgedonnert geht die junge Lili abends mit ihrem Bruder und dessen Freunden aus. So verführerisch in der einen Situation, so herablassend kann sie auf der anderen Seite sein. Lilis innere Gespaltenheit zeigt sich in vielen Situationen: Sie ist besessen davon, endlich ihre Jungfräulichkeit – und damit das Stadium eines Kindes – hinter sich zu lassen. Doch als sie mit Maurice die Gelegenheit hierfür hat, versagt sie. Ihm gegenüber kann sie nur grausam reagieren und ihn beschimpfen. Alleine auf dem Campingplatz gibt sie sich den Tränen frei.

“C’est horrible d’être vierge” (dt.: “Es ist furchtbar Jungfrau zu sein”) sagt sie zu Maurice. Obwohl sie es will, kann sie sich ihm nicht hingeben. Doch als es fast zu einer Vergewaltigung kommt, zeigt sich das Mädchen wieder äußerst pragmatisch: “Wenn Du mich vergewaltigst, wird es Dich teuer zu stehen kommen!”

Es gibt in diesem Sommer keine Person, der sich Lili anvertrauen kann. Die Eltern behandeln sie wie ein Kind, mit dem Bruder gibt es nur Streit. Nur dem Künstler kann sie sich zeitweilig anvertrauen. Sie berichtet von der Langeweile, von der Schule und dem Gefühl, “hinten dran zu sein”.

Die Familie

Die Eltern sind in 36 Fillette als ignorant dargestellt. Sie wissen nicht, was ihre Tochter bewegt, welche Sorgen und Ängste die pubertierende Tochter hat. Als sie von dem zweiten Ausflug mit Maurice zurückkehrt, empfängt sie der autoritäre Vater mit Schlägen. Die Mutter beschimpft sie als “kleine Schlampe”.

So verschaffen die Eltern der Einsamkeit der Tochter keine Abhilfe, sondern verstärken in ihr noch dieses Gefühl. Ohne Halt wächst Lili heran und muss ihre Sexualität selbst entdecken. Das Einreden der Mutter, es wäre eine Schande für eine junge Frau, die Sexualität zu entdecken, wirkt sich im Leben Lilis als äußerst belastend aus.

Quelle

  • Clouzot, Claire: Catherine Breillat, Indécence et Pureté, Cahiers du Cinéma, Milanostampa / Farigliano 2004 (frz.)