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Rezeption

 

Rezeption

Dieser erste Hollywood Film Hitchcocks gewann 1940 zwar den Oscar für den besten Film, galt in den Augen des Meisters aber ganz und gar nicht als gelungen. So äußerte er sich gegenüber François Truffaut:

„Das ist kein Hitchcockfilm. Es ist eine Art Märchen, und die Geschichte gehört ins ausgehende neunzehnte Jahrhundert. Es ist eine ziemlich vorgestrige, altmodische Geschichte. Es gab damals viele schriftstellernde Frauen. Dagegen habe ich nichts. Aber ‘Rebecca’ ist eine Geschichte ohne jeden Humor.“1

Tatsächlich markierte Rebecca Hitchcocks Einzug in Hollywood. Elf Jahre nach seinem ersten Tonfilm Erpressung und fünf Jahre nach seinem Erfolg mit 39 Steps war der Master of Suspense beim amerikanischen Publikum angekommen. Schwierigekeiten gab es mit David O. Selznick, der als Produzent denselben Einfluss auf den Film wie der Regisseur nehmen wollte. Ein Jahr zuvor hatte er Vom Winde verweht produziert und presste Hitchcock in eine Zwangsjacke, diesen filmischen Stil fortzusetzen. Doch Hitchcocks Prägung bleibt unverkennbar: Rebecca ist eine gelungene psychologische Studie, andererseits für Hitchcock aber in gewisser Weise auch eine Art aufgezwungene Stilübung für spätere Filme. Die Spannung des Films ergibt sich vor allem aus der mysteriösen Nekrophilie der Mrs. Danvers, die von Judith Anderson als stets in Schwarz gekleidete, starre Frau gespielt wird, die so plötzlich verschwindet, wie sie aufgetaucht war, aus dem Geheimnis, was Rebecca umgibt, und dem Verhalten Maxims, der seiner neuen Frau gegenüber nicht ehrlich ist. 2

Hitchcock hatte keinen wirklichen Einfluss auf das Drehbuch des Films. Selznick hatte die Rechte an dem Roman Daphne Du Mauriers gekauft, um den Roman detailgetreu zu verfilmen. Auch Hitchcock wollte sich zunächst diese Rechte sichern, musste aber Selznick das Vorrecht lassen. Für die Verfilmung des Romans hatte Hitchcock zunächst anderes ihm Sinn als das von Selznick Geplante. Er sah die literarische Vorlage eher als Sprungbrett ins Reich seiner Ideen. Ansätze hiervon lassen sich in den Gruselmomenten erkennen, die der Film bietet. Judith Anderson, die Mrs. Danvers verkörpert, dient hierfür im Gegensatz zur Kindsfrau Joan Fontaine als Gruselbeitrag, genauso wie die Tatsache, dass eine tote Frau omnipräsent, aber nicht durchschaubar ist.

Der Titel Rebecca an sich ist schon irreführend. Meint man anfangs, Rebecca sei die Frauenstimme, die die Geschichte erzählt und ist verwirrt von der Tatsache, dass die zweite Mrs. de Winter (die Erzählerin) nie mit ihrem Namen angesprochen wird, so muss man bald feststellen, dass Rebecca eine Tote ist.

Quellen

1 Robert Fischer, François Truffaut in Zusammenarbeit mit Helen G. Scott, München, Zürich 1999, S. 103.

2 Rezension auf der Filmzentrale