Völkermord in Ruanda

 
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Hotel Ruanda (2004)
Höchstbewerteter Film:
Hotel Ruanda (6.80)
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    Völkermord in Ruanda
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Innerhalb von 100 Tagen wurden 1994 in Ruanda 800.000 Hutu bestialisch ermordet. Der Genozid gilt als größter seit dem Holocaus.

Genozid in Ruanda

Im Frühjahr 1994 wurden in Ruanda zwischen 800.000 und 1 Mio. Menschen bestialisch ermordet. Wie konnte es dazu kommen?

Fakten über Ruanda

Ruanda, “das Land der tausend Hügel”, liegt im Osten Zentralafrikas. Hauptstadt der knapp acht Millionen Einwohner zählenden Republik ist Kigali. Das Land gliedert sich in elf Präfekturen. 65 % der Ruander, die überwiegend auf dem Land leben (circa 94 Prozent), bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 70,4 Prozent; sie ist bei Männern höher (76,3 Prozent) als bei der weiblichen Bevölkerung (64,7 Prozent). Die Medien des Landes werden staatlich kontrolliert. Wichtigste Exportgüter sind Kaffee und Erze. Da Ruanda aufgrund gelegentlicher Dürreperioden und Bodenerosion immer wieder von Hungersnöten heimgesucht wird, ist es stark von Entwicklungsgeldern, die hauptsächlich aus Belgien stammen, abhängig. Von 1899 an war Ruanda an Deutsch-Ostafrika angegliedert. Während des Ersten Weltkrieges übernahm Belgien die Vorherrschaft. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es zum Treuhandgebiet der Vereinten Nationen erklärt. Am 1. Juli 1962 konnte schließlich die Unabhängigkeit erreicht werden. Seit dem 17. April 2000 ist Paul Kagame Staatsoberhaupt des Landes1.

Vorgeschichte: Hutu und Tutsi

Der Konflikt zwischen Tutsis und Hutus reicht weit zurück in die Geschichte Ruandas. Ursprünglich bedeutet “Tutsi”, eine Rinderherde zu besitzen und “Hutu”, ein Landbauer zu sein. Die Hutus machen ca. 89 % der Bevölkerung aus, die Tutsis 10 % und 1 % stellen die sogenannten Twa. Es gibt Theorien, die nachzuweisen versuchen, daß die Hutu der Bantu-Ethnie entstammen und die Tutsi Nachkommen der Hamiten seien, die im 17. Jahrhundert von Äthiopien einwanderten. Dies wurde vor allem von den belgischen und deutschen Kolonisateuren unter den Hutus propagiert. Obwohl es sehr viele Mischehen gab, wurden die Tutsis als “schwarze Weiße” klassifiziert und die Hutus als “Neger”. Die Tutsis profitierten fortan durch die Kolonisation, was unter den Hutus zu Missfallen führte.

Die Unabhängigkeit Ruandas

1959-1962 kam es zu einer ersten Eskalation. Nachdem der Tod des Königs eine Machtlücke hinterlassen hatte, bemühten sich die Belgier Ruanda langsam in die Unabhängigkeit zu entlassen. Doch die “Ruandischen Allerheiligen” (La Toussaint Rwandaise), ein Aufstand, der Hunderte von Toten und 7000 Tutsi-Flüchtlinge zur Folge hatte, machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Acht junge Tutsis hatten nach einer Messe den Hutu-Sous-Chef aus Noliza, Dominique Mbonyumutwa, auf offener Straße angegegriffen. Die Hutus reagierten mit Gewalt: Im November 1959 kam es zu Massenvertreibungen, Häuser wurden angezündet und Menschen ermordet. Im März 1960 besuchte eine UNO-Mission Ruanda, die eine baldige Abhaltung von Wahlen empfahl. Die daraufhin im Juli durchgeführten Kommunalwahlen ergaben eine absolute Mehrheit der MDR-Parmehutu. Nachdem die belgische Regierung eine Übergangsregierung ernannt hatte, rief diese allerdings die Republik Ruanda aus. Im September 1961 wurden Wahlen durch die UNO initiiert, die der MDR-Parmehutu unter dem Staatspräsidenten Grégoire Kayibanda zur Regierungsmacht verhalfen. Am 1. Juli 1962 wurde Ruanda unabhängig.

Konflikte und Flüchtlingsfrage in der Republik Ruanda und in der Militärdiktatur

Unter den Tutsis fand sich keine Unterstützung der Hutu-Regierung. Viele versuchten in Nachbarländer zu flüchten und Terrorakte seitens der Tutsis überschatteten die neue Unabhängigkeit. Höhepunkt der Terrorakte war die sogenannte “Blutweihnacht” 1963 (Noël Rouge), als Kigeri V. von Burundi aus versuchte, mit seiner “Armée Royale Rwandaise” Ruanda anzugreifen. Daraufhin verübten in Panik geratene Hutu ein Massaker an ruandischen Tutsis. Die Bilanz: 20 000 Tote.

Am 5. Juli 1973 beendete der ehemalige Verteidigungsminister Generalmajor Juvénal Habyarimana, ebenfalls ein Hutu, in einem unblutigen Staatsstreich die Ära der Republik Kayibandas und wandelte Ruanda in eine Militärdiktatur um. Die Probleme (besonders die soziale Diskriminierung der Tutsis) rissen allerdings nicht ab und verstärkten sich durch :

  • den Flüchtlingsstrom aus Uganda im Herbst 1982, als an die 40 000 Nachkommen der Tutsi-Flüchtlinge aus den 60er Jahren sowie Hutu-Bauern vertrieben wurden und in ihre Heimat zurückkehren wollten
  • die immer noch anhaltende Bevölkerungsexplosion, die die Regierung nicht stoppen konnte;
  • die Landknappheit;
  • den Verfall des Weltmarktpreises für Kaffee, der die ruandische Wirtschaft schwer in Mitleidenschaft zog;
  • das Aufkommen des AIDS-Problems;
  • die für ein Dritte Welt-Land typische soziale Ungerechtigkeit (reiche Oberschicht – sehr arme Unterschicht);
  • den internationalen Druck, der auf die Rückkehr der Tutsi-Flüchtlinge aus den 60ern abzielte. 2

Der Ruf nach Demokratie wurde immer lauter. Doch dieser Traum wurde zerstört, als am 1. Oktober 1990 die Invasion der Tutsi-Exil-Bewegung “Ruandische Patriotische Front” (Front Patriotique Rwandais, FPR) begann und und Ruanda zum Schauplatz eines der blutigsten Bürgerkriege Afrikas wurde.

Der Bürgerkrieg in den 90ern

Die Angriffe der Exil-Tutsis mündeten in einen blutigen Guerillakrieg, der sich über Jahre hinweg zog. Waffenstillstände wurden immer wieder abgebrochen, weil die Rebellen entweder die Regierungsarmee angriffen oder Massaker verübt wurden. Dennoch kam es zu Überlegungen, wie man eine stabile Demokratie in Ruanda verteidigen könnte. Schließlich entschlossen sich die wichtigsten Parteien, gemeinsam mit der Regierungspartei MRND am 13. März 1992 ein “Protokoll über die Zusammenarbeit” zu verabschieden, woraus eine “Regierung der Nationalen Einheit” entstand, die am 16. April vereidigt wurde. Der neue Regierungschef war nun Dismas Nsengiy Aremye.

Am 18. August 1992 wurde das Friedensabkommen von Arusha abgeschlossen, das eine Interims-Regierung vorsah. Als die FPR-Truppen plötzlich 50km vor Kigali standen, wurde der Friedensprozess erneut abgebrochen. Es kam zu einer panikartigen Flüchlingswelle. Dennoch wurden die Verhandlungen weitergeführt. So kam es am 4. August 1993 zur Unterzeichnung des 2. Friedensabkommens von Arusha zwischen Habyarimana und dem FPR-Präsidenten Alexis Kanyarengwe.

Ermorderungen und Vertreibungen seit dem Frühjahr 1994

Auslöser für den grausamen Völkermord war der Abschuss des Präsidenten-Jets beim Anflug auf den Flughafen der Hauptstadt Kigali am 6.4.1994. Alle Passagiere wurden getötet, darunter auch der Präsident Burundis und der Präsident Ruandas, Habyarimana (ein Hutu). Bis heute ist fraglich, ob die Tutsi-Rebellen den Jet abschossen oder ob es radikale Hutus waren, die ihren gemäßigten Präsidenten nicht billigten.

Der Völkermord an den Tutsis und an gemäßigten Hutus in Ruanda begann in der Nacht vom 6. April zum 7. April 1994 und kostete innerhalb von nur 100 Tagen wahrscheinlich mindestens 800.000 Menschen das Leben. Die Tutsis wurden nun von den radikalen Hutus mehr denn je als Inyenzi (Kakerlaken) bezeichnet und mussten nun in ständiger Angst vor den Killertruppen (Interahamwe) leben, die meist noch Jugendliche waren. Fast alle Tutsi-Politiker wurden ermordet. Anstatt einzugreifen, reduzierte die UNO ihre Truppe auf 270 Mann und weigerte sich, von einem Genozid zu sprechen (sonst hätte sie eingreifen müssen). Kurz darauf stockte die UNO das Aufgebot wieder auf 5000 Mann auf, um sich dann wegen der anhaltenden Gefahr für die eigenen Truppen gänzlich zurückzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits über eine halbe Mio. Menschen ermordet worden und 3 Mio. befanden sich auf der Flucht.

Quellen

1 Bericht Amnesty-Ruanda über Ruanda

2 Hintergrundinformationen über Ruanda und der Hutu – Tutsi – Konflikt

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