19062002
 

Billy Wilder

Drehbuch, Regisseur, Produzent, Autor, Akteur

Vorhandene Filme:
40 seit 1929
Geschlecht:
männlich
Geburtstag:
1906-06-22
Geburtsort:
Sucha Beskidzka, Galizia, Austria-Hungary
Todestag:
2002-03-27 (95 Jahre)
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    Samuel Wilder
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    Billie Wilder
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Billy Wilder war ein US-amerikanischer Drehbuchautor, Regisseur und Produzent österreichischer Herkunft. Sein Werk umfasst in mehr als 50 Jahren über 60 Filme. Er wurde insgesamt 21 Mal für einen Oscar nominiert. Sechsmal gewann er ihn.

Biografie

Samuel Wilder wurde am 22. Juni 1906 in Sucha Beskidzka (damals noch Österreich) als Sohn jüdischer Eltern geboren. Dem Vater, Max Wilder, gehörte in Krakau das Hotel “City” sowie mehrere Bahnhofsrestaurants in der Umgebung. Seinen Spitznamen Billy verdankte Wilder seiner Mutter, die ihn, in Erinnerung an eine Wildwestshow von Buffalo Bill, die sie in Wien gesehen hatte, seit jeher „Billie“ nannte. Wilder nannte sich daher „Billie Wilder“ – den Nachnamen auf Deutsch ausgesprochen. In den USA änderte er die Schreibweise dann zu „Billy“.

1916 floh die Familie aus Angst vor den herannahenden Russen nach Wien. Wilder besuchte dort das Realgymnasium, das er 1924 mit einem mäßig bestanden Abitur verließ. Er begann ein Jurastudium, was er aber nach kurzer Zeit wieder abbrach und als Reporter beim Boulevardblatt Die Stunde arbeitete. Da sich hier nicht viel verdienen ließ, arbeitete er zusätzlich als Eintänzer in einschlägigen Wiener Tanzcafés. Der amerikanische Bandleader Paul Whitman engagierte ihn als Fremdenführer und dieser nahm ihn schließlich 1926 mit nach Berlin. Nur eine Woche später wird publik, dass „Die Stunde“ Wiener Geschäftsleute und Prominente mit der Drohung erpresst, unvorteilhafte Artikel über sie zu veröffentlichen. Die Angelegenheit wurde zum größten Medienskandal der Ersten Republik in Österreich und Wilder beschließt, in Berlin zu bleiben und dort für eine andere Zeitung zu arbeiten. In Berlin machte er sich mit Interviews und Reportagen für die Nachtausgabe, Tempo und die BZ am Mittag einen Namen als herausragendes Schreibtalent. Außerdem arbeitete er als Ghostwriter an zahlreichen Drehbüchern mit.

In Berlin-Schöneberg erinnert am Haus Viktoria-Luise-Platz 11 eine Gedenktafel an Wilder. Zu dieser Gedenktafel findet sich in Hellmuth Karaseks Wilder-Hommage “Nahaufnahme”, folgende Anekdote: „Einmal (1987) kamen wir auch, es war abends, an dem Haus am Viktoria-Luise-Platz 11 vorbei. Wilder zeigte nach oben: „Dritter Stock. Familie York-Schulz. Eineinhalb Jahre. Ein winziges Zimmer mit düsterer Tapete. Wand an Wand mit einer ständig rauschenden Toilette.“ Wilder erzählte mir, wie er einen Abend zuvor zusammen mit seinem Freund, dem Filmproduzenten Willy Egger, eine Marmortafel an eben diesem Haus entdeckt habe. Er zeigte sie mir: „Dort!“ – „Und man hat mich nicht einmal um Erlaubnis gefragt“, habe er, halb geschmeichelt, halb entsetzt zu Egger gesagt. Egger und er traten näher. Auf der Tafel stand “Hier wohnte bis zu seinem Tode Ferruccio Busoni, Musiker – Denker – Lehrer. 1866-1924. Die Societé Dante Alighieri. Comitato Berlino anläßlich des hundertsten Geburtstages des Künstlers”. Egger versuchte ihn zu trösten. Aber Wilder sagte nur: „Dabei hätte ich ihnen, um die Wahrheit zu sagen, die Erlaubnis gegeben.“ Wilder wohnte hier 1927 zur Untermiete in einem winzigen Zimmer, hier begann auch seine Filmkarriere „als nämlich eines Nachts Herr Galitzenstein, Direktor der Maxim-Film, in Unterhosen in Wilders Zimmer stand, weil er aus dem Schlafzimmer der Nachbarin die Flucht ergreifen musste und darum gar nicht anders konnte, als Billy Wilders erstes Drehbuch zu kaufen“. [...] Inzwischen hat Egger seinem Freund Wilder auf der Berlinale 1993 eine Überraschung bereitet. Jetzt steht an dem Haus auch die Tafel: “Hier wohnte auch Billy Wilder.” Auch. 1

Als Ghostwriter für bekannte Drehbuchautoren wie Robert Liebmann und Franz Schulz konnte Wilder sich neben seiner Tätigkeit als Reporter eine zusätzliche Einkommensquelle erschließen. So war er teilweise auch an dem Filmklassiker Menschen am Sonntag (u. a. mit Curt Siodmak, Robert Siodmak, Fred Zinnemann und Edgar G. Ulmer) beteiligt. Alle Mitwirkenden an diesem filmischen Zeitdokument aus Berlin waren damals noch Filmamateure. Gemeinsam mit Erich Kästner schrieb Wilder 1931 das Drehbuch für die Erstverfilmung von Emil und die Detektive.

Unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Reichtagsbrand flieht Wilder 1933 nach Paris, wo er sich als Ghostwriter für französische Drehbuchautoren seinen Lebensunterhalt verdient. Hier inszeniert er auch seinen ersten Film Mauvaise graine. 1934 konnte er, durch Joe May mit einem Besuchervisum ausgestattet, in die USA einreisen.

Hier nennt er sich jetzt “Billy” und wird 1936 von der Paramount Pictures unter Vertrag genommen. Er schreibt die Drehbücher zu Komödien wie Ninotschka, bei dem sein Vorbild Ernst Lubitsch Regie führte, und Enthüllung um Mitternacht (beide 1939). 1942 führt Wilder erstmals Regie in dem Film Der Major und das Mädchen.

Nach Kriegsende kommt Wilder im Auftrag der amerikanischen Regierung im Rang eines Colonels nach Deutschland zurück und inszenierte im kriegszerstörten Berlin 1947/48 den Film Eine auswärtige Affäre (mit Jean Arthur und Marlene Dietrich), der sich kritisch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit von Menschen im besetzten Deutschland auseinandersetzt.

Nach 1950 beteiligt Wilder sich meist auch als Produzent an seinen Filmen. Er produziert Klassiker wie Boulevard der Dämmerung (1950), mit Gloria Swanson als verblendeter Ex-Diva, Das verflixte 7. Jahr (1955) und Manche mögen’s heiß (1959), beide mit Marilyn Monroe, Zeugin der Anklage (1958), erneut mit Marlene Dietrich, sowie Das Appartement (1960) und Das Mädchen Irma la Douce (1963), beide mit Shirley MacLaine.

Unter Wilders bevorzugten männlichen Hauptdarstellern sticht Jack Lemmon besonders hervor. Dieser hat außer in Manche mögen’s heiß, Das Appartement und Das Mädchen Irma la Douce auch in Der Glückspilz (1966), Avanti, Avanti (1972), Extrablatt (1974) und Buddy, Buddy (1981) eine Hauptrolle spielte; in Der Glückspilz und den letztgenannten beiden Filmen an der Seite Walter Matthau, den Wilder ebenfalls sehr schätzte.

Wilders spätere Werke konnten an die Erfolge seiner Glanzzeit nicht anknüpfen. Ab Mitte der 1980er Jahre beschränkte er sich auf die Tätigkeit eines Beraters bei United Artists. 1989 ließ er seine Gemäldesammlung versteigern. Der Erlös betrug 32,6 Millionen US-Dollar.

Wilder war von 1936 bis 1947 mit Judith Coppicus-Iribe verheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter, Victoria (* 1939). 1949 heiratete Wilder die Schauspielerin und Sängerin Audrey Young.

Billy Wilder starb am 27. März 2002 in Los Angeles.

Quellen und Literatur

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