Julio Medem stellt neben Pedro Almodóvar als Drehbuchautor und Regisseur eine Größe im zeitgenössischen spanischen Kino dar.

Leben und Werk

Kindheit und Jugend

Julio Medem Lafont wurde am 21. Oktober 1958 in San Sebastian geboren. Die Wurzeln seiner Familie reichen jedoch weit über das Baskenland hinaus. Seine Großeltern väterlicherseits stammten aus Deutschland und Valencia, die Eltern seiner Mutter kamen aus dem Baskenland und aus Frankreich.

Einen Teil seiner Kindheit verbrachte Julio Medem in seiner baskischen Heimatstadt, bis er nach der Geburt seines Bruders Alberto mit seinen Eltern nach Madrid zog. Dort studierte er am Colegio del Pilar. Bereits als Jugendlicher drehte er mit der Super-8 Kamera seines Vaters seine ersten Kurzfilme, unter anderem El ciego (1976), El jueves pasado (1977) und Fideos (1979), und schrieb seinen ersten, traumartigen Roman Mi primer día (Mein erster Tag).

Neben dem Film war der Leistungssport eine weitere Leidenschaft Medems, die seinen Werdegang hätte bestimmen können. Als Leichtathlet war er von einer Nominierung für den Olympischen Kader nicht weit entfernt. Mit 18 Jahren entschloss er sich dann, in die spanische Provinz Soria zu ziehen, um sich der Psychiatrie zu widmen und die dunklen Ecken des menschlichen Geistes zu erforschen. Schließlich graduierte er in Medizin und Chirurgie an der Universidad del País Vasco.

Beginn als Filmkritiker und Drehbuchautor

Zurückgekehrt in seine Heimatstadt San Sebastian, wandte er sich dem professionellen Filmbetrieb zu und schrieb Kritiken für die Zeitschrift “La Voz de Euskadi”. Nebenher drehte er weiter Kurzfilme und schrieb in der Hoffnung einmal ein Spielfilmprojekt realisieren zu können Drehbücher.

Mit dem Drehbuch für Vacas – Kühe, der Geschichte einer generationenüberdauernden Auseinandersetzung zwischen zwei Familien, reiste er nach Madrid, um einen Produzenten für die Realisierung zu begeistern. Wegen seiner eigenartigen Handlung und des nicht weniger befremdlichen Titels wurde das Skript zu seiner Enttäuschung allseits zurückgewiesen. In seinem nächsten Drehbuch Das Rote Eichhörnchen wollte er den Bedenken der etablierten Filmindustrie Rechnung tragen und eine weniger komplexe Geschichte schreiben. Doch noch während er am Skript arbeitete, erhielt er von der neu gegründeten Produktionsfirma Sogetel ein Angebot zur Realisierung von Vacas – Kühe.

Werdegang als wichtiger spanischer Regisseur

Nach der Vollendung des Projektes im Jahr 1992, das einen rundweg positiven Wiederhall fand, entwickelte Medem in seinen Filmen seine markante Handschrift. Er zählt heute zu den bedeutendsten spanischen und europäischen Filmemachern, dessen Werk an das Erbe großer spanischer Filmkünstler wie Luis Buñuel, Iván Zulueta und Víctor Erice, oder auch europäischer Größen wie Ingmar Bergman, Andrei Tarkovsky und Krzysztof Kieślowski heranreicht.

1996 verwirklicht Medem das Projekt Tierra, einen Film über den spanischen Bürgerkrieg. Mit Die Liebenden des Polarkreises inszeniert er zwei Jahre später eine Liebesgeschichte zwischen Ana und Otto, die nicht nur das spanische Publikum verzaubert. Lucía und der Sex folgt 2001. Während die einen den Film als pornographisch auffassten, sprachen einige Kritiker hierbei von einem poetischen Film, dessen Narration nicht linear betrachtet werden dürfte. Die Geschichte der verlassenen Lucía, die auf eine Insel reist, um sich vom Verlust ihres Geliebten Lorenzo zu erholen, zog immerhin ein großes Publikum in die Kinos. Sechs Jahre später folgt Caótica Ana, in dem Medem den Tod seiner Schwester verarbeitet.

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